{"id":802,"date":"2016-09-19T14:12:13","date_gmt":"2016-09-19T14:12:13","guid":{"rendered":"http:\/\/block1898.de\/?p=802"},"modified":"2016-09-19T14:13:23","modified_gmt":"2016-09-19T14:13:23","slug":"retortenvereine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/block1898.de\/?p=802","title":{"rendered":"Retortenvereine&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer ist denn nun der Schlimmste und wieso ist Leverkusen eben nicht gleich Red Bull?<\/strong><\/p>\n<p>Das Heimspiel gegen Hoffenheim steht vor der T\u00fcr. Deren Anhang beschwerte sich beim Bundesligaauftakt im &#8222;Super Plastico&#8220; gegen Leipzig \u00fcber mangelnden Hass ihrem Konstrukt gegen\u00fcber. Sicherlich selbstironisch, doch mit einem wahren Kern: Hoffenheim wird immer mehr als normaler Bestandteil der Liga angesehen und die gro\u00dfe Ablehnung konzentriert sich gen Leipzig.<\/p>\n<p>Eine fatale Entwicklung, die uns prophezeit, dass auch das Dosenexperiment aus Leipzig in einigen Jahren als \u201enormal\u201c angesehen werden k\u00f6nnte. So weit darf es nicht kommen!\u00a0Deshalb wollen wir die Gelegenheit nutzen, Euch nochmals einige Gedanken zusammen zu fassen und aufzuzeigen, wo die Unterschiede zwischen den verschiedenen Retortenclubs liegen, was f\u00fcr alle n\u00f6tigen und wichtigen Diskussionen um das Thema die n\u00f6tige Grundlage darstellt.<\/p>\n<p><strong>Hoffenheim:<\/strong><br \/>\nBeginnen wollen wir mit unserem aktuellen Gegner. Die TSG Hoffenheim, in der Selbstvermarktung auch \u201e1899 Hoffenheim\u201c war bis zu den 90er Jahren der unspektakul\u00e4re Dorfclub von nebenan. Hier entschied ein gewisser Dietmar Hopp, Gr\u00fcnder von SAP und Ex-Kicker der TSG seinem Heimatverein finanziell unter die Arme zu greifen. Die entsprechenden Erfolge stellten sich bald ein, befeuert davon trieb M\u00e4zen Hopp seinen Club \u00fcber die Jahre bis hin in die Bundesliga und investierte daf\u00fcr, nach eigenen Angaben, 240 Millionen Euro in den Club. Die Kritik liegt auf der Hand: W\u00e4hrend sich alle traditionellen Fu\u00dfballvereine \u00fcber die Jahre hinweg nach oben k\u00e4mpfen mussten und Ihr Verm\u00f6gen eigenst\u00e4ndig erwirtschaftet haben, wurde der Wettbewerb durch Dietmar Hopp extrem verzerrt und ein Club zum Selbstzweck k\u00fcnstlich nach oben gekauft.<\/p>\n<p><strong>RB Leipzig:<\/strong><br \/>\nDer prominenteste Fall der aktuellen Zeit. Die Firma Red Bull mit Gr\u00fcnder Dietrich Mateschitz begann Ihren Angriff auf den Fu\u00dfball in Salzburg, wo man Vereinsnamen, -geschichte &amp; -farbe von Austria Salzburg ausl\u00f6schte und sich so die Startberechtigung in der Bundesliga \u00d6sterreichs erkaufte. In Deutschland wurde es Red Bull nicht ganz so leicht gemacht, so dass sich der Konzern beim SSV Markanst\u00e4dt einkaufen musste, um m\u00f6glichst weit oben in den deutschen Ligabetrieb zu gelangen. Doch auch die Standortwahl mit bereits vorhandenem Gro\u00dfstadion und einer nach h\u00f6herklassigem Fu\u00dfball lechzenden Region passte ins Konzept einen Fu\u00dfballclub zu entwerfen, nur um das eigene Produkt bestm\u00f6glich platzieren zu k\u00f6nnen. Der Konzern Red Bull stellt alle Vereinsmitglieder, alles im Verein ist darauf angelegt, dem Investor zu dienen, sogar das zum Farmteam degradierte RB Salzburg, mit dem flei\u00dfig Spieler ausgetauscht und Transferregularien umgangen werden.<br \/>\nDer entscheidende Unterschied zu den anderen Modellen ist hier, dass ein Club gar nicht zur Aus\u00fcbung des Sports gegr\u00fcndet wurde. RB Leipzig existiert einzig, um dem Marketing des Red Bull-Konzerns zu dienen. Red Bull ist kein Sponsor des Vereins, sondern ein Investor und bei pragmatischer Betrachtung, Eigent\u00fcmer des Clubs.<\/p>\n<p><strong>Bayer Leverkusen \/ VfL Wolfsburg:<\/strong><br \/>\nBei RB-Kritiken oder Aufrufen, die Brause nicht mehr zu konsumieren h\u00f6rt man oftmals Gegenfragen, ob man dann auch kein Aspirin mehr nehmen oder VW fahren d\u00fcrfe. Gemeint ist damit, warum man z.B. Bayer Leverkusen oder dem VfL Wolfsburg nicht auch genauso kritisch gegen\u00fcber stehen m\u00fcsste.<br \/>\nBeide Vereine eint eine gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit zum jeweiligen Mutter-Unternehmen, sowohl Bayer als auch VW pumpen Millionen in die Vereine und sorgen damit auch f\u00fcr eine Wettbewerbsverzerrung. Aber ist gibt auch entscheidende Unterschiede: So wurde Bayer 04 Leverkusen urspr\u00fcnglich als Werksmannschaft gegr\u00fcndet. Sprich, Arbeiter von Bayer schufen sich eine Plattform, um gemeinsam nach Dienstschluss Sport zu treiben, der Konzern st\u00fctzte diese Idee. Heute geh\u00f6ren der Bayer AG alle Anteile an der Fu\u00dfball-GmbH, hier hat die Ausnahme von der 50+1 Regel bereits gegriffen.<br \/>\nWerksvereine muss man sicherlich nicht gut finden, es gibt genug Parallelen zu M\u00e4zenatentum oder dem Marketingprojekt. Allerdings muss man diesen Vereinen zugestehen, dass ihre Gr\u00fcndungsmotive und dadurch auch ihre Entwicklung eine andere waren und sind. So haben sie sich immerhin innerhalb ihres Betriebes und sp\u00e4ter auch des deutschen Fu\u00dfballs hochgearbeitet und wurden nicht mit diesem Gedanken als Selbstzweck k\u00fcnstlich entworfen. Vor Kritik angesichts heutiger Gebaren soll sie das aber nicht frei sprechen.<\/p>\n<p>Wie immer hilft eine differenzierte Betrachtungsweise dabei, die Vorg\u00e4nge zu verstehen und seine eigenen Reaktionen einzuordnen. Wo man seine Grenze zieht, die ein \u201eVerein\u201c mit seiner jeweiligen, kommerziellen Ausrichtung \u00fcberschreitet, ist Sache des Einzelnen. Aber gerade als Lilienfan, als Fan eines Vereins, der exakt das Gegenteil verk\u00f6rpert, wo direkte Mitgliederbestimmung noch m\u00f6glich ist und Sponsoren nicht ins Tagesgesch\u00e4ft eingreifen, hat man die verdammte Verantwortung, sich dar\u00fcber bewusst zu werden, zu positionieren und f\u00fcr den Erhalt der eigenen Rechte einzustehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ist denn nun der Schlimmste und wieso ist Leverkusen eben nicht gleich Red Bull? Das Heimspiel gegen Hoffenheim steht vor der T\u00fcr. Deren Anhang beschwerte sich beim Bundesligaauftakt im &#8222;Super Plastico&#8220; gegen Leipzig \u00fcber mangelnden Hass ihrem Konstrukt gegen\u00fcber. 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